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Sonntag 22. Januar 2012
In den mittlerweile etablierten Pokerrunden zwischen Banken, deren Aufsehern und Staaten werden die Mittel direkter, die Sitten rauer und die Worte – zumindest hinter den Kulissen – deutlicher. Allenthalben erwarten die Beteiligten apokalyptische Reiter und geraten dabei in das Dilemma, die Krise, die sie fürchten, überhaupt erst zu befeuern.
Etwas anderes darf man als Normalbürger aber nicht erhoffen: Die Vielzahl der Stimmen allein, die sich äußern, Vorschläge unterbreiten oder Ultimaten auf die Tische des Hauses legen, lässt kaum etwas anderes zu als das sattsam bekannte Durcheinander. Mit besonders vielerlei Maß wird in der griechischen Schuldenkrise gemessen: Die Banken, vertreten durch ihren internationalen Verband IIF, zeigen sich weitgehend kompromissbereit und sehen durchschnittlich einem Verzicht von mehr als 60% ihres Anleihevermögens ins Auge – sofern eine erkleckliche Zahl von ihnen mitmacht. Was nicht ausgemacht ist. Wohl auch deshalb und vor allem mit Blick auf die sogenannten alternativen Investment-Gesellschaften, vulgo Hedgefonds, droht Griechenland mit gesetzlicher Enteignung, der im Falle eines Falles eine juristische Auseinandersetzung folgen wird, ja sogar muss: Die Hedgefonds sind nicht Herren der Lage, nicht einmal ihres angelegten Geldes, da dies vorwiegend Fremdkapital ist und die Eigenmittel entsprechend vielfach gehebelt. Die Stärke demonstrierenden Fonds sind also viel verwundbarer als die Banken, die mit Eigenmitteln spekuliert haben (wobei die europäischen Staaten alles Regulative getan haben, um das Halten von Staatsanleihen nicht als Spekulation gelten zu lassen). Zusätzlich kommt der IWF aus Washington angeprescht und verkündet Weltuntergänge mehrfach mayascher Ausmaße, sollte nicht 1 Bio. Euro aufgetrieben und verteilt werden können, was man sich schleunigst abschminken muss, denn kein edler Spender, der dazu in der Lage wäre, ist auch willens – allen voran zeigen die USA dem Begehren einen Vogel. Man hat schließlich Wahlkampf und Schulden en masse. Im Falle Griechenlands wird sich mancher Verantwortliche mittlerweile wünschen, man hätte die Möglichkeit einer sauberen Pleite zumindest sondiert, als noch Zeit dafür war. Denn es lebt sich schuldenbefreit weit gelassener als mit einer jahrelangen Rezession, mühsamen Verhandlungen und Klagedrohungen. Die Eurozone hätte allerdings hinnehmen müssen, nicht mehr über jeden Zweifel erhaben zu sein, was den guten Schuldnern höchst unlieb sein muss, denn sie zahlen für ihre eigenen Staatsanleihen dann ebenfalls höhere Zinsen. Und können die Regelung vermutlich nicht aufrechterhalten, dass Banken diese Anleihen ohne Kapitaldeckung wie Bargeld horten dürfen. Die Zeiten sind aber auch so vorbei, denn Vertrauen kommt vor Regulierung, und das ist weg. Die zwangsläufige Folge dieser bösen Klemmen an allen Ecken: Entschuldung wird das Gebot der kommenden Jahre. Und dafür wird, weil Pleite nicht geht, Geld gedruckt werden, viel Geld. Es ist, wie Wirtschaftswissenschaftler errechnet haben, auch gar nicht anders möglich. Viele Privatleute ahnen es schon – wer jetzt noch herkömmlich spart, ist selbst schuld. Inflation heißt das nächste Thema. mehr...
Hauen und Stechen
In den mittlerweile etablierten Pokerrunden zwischen Banken, deren Aufsehern und Staaten werden die Mittel direkter, die Sitten rauer und die Worte – zumindest hinter den Kulissen – deutlicher. Allenthalben erwarten die Beteiligten apokalyptische Reiter und geraten dabei in das Dilemma, die Krise, die sie fürchten, überhaupt erst zu befeuern.
Etwas anderes darf man als Normalbürger aber nicht erhoffen: Die Vielzahl der Stimmen allein, die sich äußern, Vorschläge unterbreiten oder Ultimaten auf die Tische des Hauses legen, lässt kaum etwas anderes zu als das sattsam bekannte Durcheinander. Mit besonders vielerlei Maß wird in der griechischen Schuldenkrise gemessen: Die Banken, vertreten durch ihren internationalen Verband IIF, zeigen sich weitgehend kompromissbereit und sehen durchschnittlich einem Verzicht von mehr als 60% ihres Anleihevermögens ins Auge – sofern eine erkleckliche Zahl von ihnen mitmacht. Was nicht ausgemacht ist. Wohl auch deshalb und vor allem mit Blick auf die sogenannten alternativen Investment-Gesellschaften, vulgo Hedgefonds, droht Griechenland mit gesetzlicher Enteignung, der im Falle eines Falles eine juristische Auseinandersetzung folgen wird, ja sogar muss: Die Hedgefonds sind nicht Herren der Lage, nicht einmal ihres angelegten Geldes, da dies vorwiegend Fremdkapital ist und die Eigenmittel entsprechend vielfach gehebelt. Die Stärke demonstrierenden Fonds sind also viel verwundbarer als die Banken, die mit Eigenmitteln spekuliert haben (wobei die europäischen Staaten alles Regulative getan haben, um das Halten von Staatsanleihen nicht als Spekulation gelten zu lassen). Zusätzlich kommt der IWF aus Washington angeprescht und verkündet Weltuntergänge mehrfach mayascher Ausmaße, sollte nicht 1 Bio. Euro aufgetrieben und verteilt werden können, was man sich schleunigst abschminken muss, denn kein edler Spender, der dazu in der Lage wäre, ist auch willens – allen voran zeigen die USA dem Begehren einen Vogel. Man hat schließlich Wahlkampf und Schulden en masse. Im Falle Griechenlands wird sich mancher Verantwortliche mittlerweile wünschen, man hätte die Möglichkeit einer sauberen Pleite zumindest sondiert, als noch Zeit dafür war. Denn es lebt sich schuldenbefreit weit gelassener als mit einer jahrelangen Rezession, mühsamen Verhandlungen und Klagedrohungen. Die Eurozone hätte allerdings hinnehmen müssen, nicht mehr über jeden Zweifel erhaben zu sein, was den guten Schuldnern höchst unlieb sein muss, denn sie zahlen für ihre eigenen Staatsanleihen dann ebenfalls höhere Zinsen. Und können die Regelung vermutlich nicht aufrechterhalten, dass Banken diese Anleihen ohne Kapitaldeckung wie Bargeld horten dürfen. Die Zeiten sind aber auch so vorbei, denn Vertrauen kommt vor Regulierung, und das ist weg. Die zwangsläufige Folge dieser bösen Klemmen an allen Ecken: Entschuldung wird das Gebot der kommenden Jahre. Und dafür wird, weil Pleite nicht geht, Geld gedruckt werden, viel Geld. Es ist, wie Wirtschaftswissenschaftler errechnet haben, auch gar nicht anders möglich. Viele Privatleute ahnen es schon – wer jetzt noch herkömmlich spart, ist selbst schuld. Inflation heißt das nächste Thema. mehr...
Sonntag 15. Januar 2012
Die Finanzmärkte, jene unbekannten Wesen, haben ungeniert Erleichterung gezeigt. Die Marktteilnehmer freuten sich über die Marktteilnehmer. Die einen nämlich schoben ungekannte Berge von Geld in Richtung Südeuropa. Und die anderen (oder auch dieselben) befeuerten vor Freude gleich die Aktienmärkte. So geschehen Mitte letzter Woche, noch ein Auftaktereignis des Jahres 2012, das die Pessimisten Lügen zu strafen scheint.
Spanien bekam an die 10 Mrd. Euro, teils als neuen Kredit, teils als Aufstockung langlaufender Anleihen (weil die Nachfrage so groß war) für weniger als 4% Zinsen. Und Italien brachte alle seine offerierten Papiere für einen Zinssatz von durchschnittlich 2,8% unter, zum Wochenende folgte ein weiterer Fischzug. Damit sind beide Länder billig an Geld gekommen, weit entfernt von jener Schwelle, ab der Schulden als untragbar gelten und die bei etwa 6% bis 7% liegt. Zudem schrammt die italienische Wirtschaft an der befürchteten Rezession vorbei. Nicht ganz so gut sieht es allerdings in Spanien aus. Gemessen am Gesamtbedarf des Jahres ist der Auftakt allerdings nur das Füllen der Portokasse. Wie dem auch sei: Die wildesten Befürchtungen der Skeptiker warten noch darauf, Realität zu werden. Angesichts dessen ist der ausgebliebene Zinsschritt der EZB durchaus verständlich. Denn bei einem Satz von 1% kann man das bisschen Pulver, das noch da ist, ruhig trocken halten. Bei der Februarsitzung bleibt so die Möglichkeit, bei dann womöglich drohender Düsternis noch einmal zu reagieren. Schon jetzt herrscht Besorgnis über eine drohende Kreditklemme – die Banken bekamen ja unlängst genau aus diesem Grund eine halbe Billion Euro für drei Jahre zum geltenden Leitzins. Da winken am Horizont gute Geschäfte. Angesichts dessen sollten die Banken den Eindruck vermeiden, mit Verknappung der ausgereichten Mittel auf höhere Margen zu spekulieren. Bei allem Verständnis für die Zwickmühle, in der sie stecken, nämlich höheres Eigenkapital vorzuhalten bei gleichzeitig fälligen Abschreibungen auf zum Beispiel griechische Anleihen. Derweil knirscht es weiter in Athen: Die Banken mögen wohl wollen, aber die großen Investmentfonds eher nicht so, vor allem die Hedgefonds. Auf Geld verzichten zur Rettung eines Schuldners, auf den man eigentlich Pleitewetten laufen hat, das ist eine harte Aufgabe. Partikularinteressen verhindern einstweilen, dass sich die Rettung wirklich am Horizont abzeichnet. Natürlich sind solche Investoren nicht dem Gemeinwohl verpflichtet. Aber auch aus Eigennutz sollten sie nochmals nachdenken. Wie das World Economic Forum in seinem gerade erschienenen Risikobericht für die Weltwirtschaft feststellt, bedroht die europäische Staatsverschuldung indirekt die Weltwirtschaft, entzieht den Konsumenten Mittel und verschärft die Einkommensunterschiede. Geldanleger trifft das unweigerlich, sei es über Kreditklemmen, Inflation oder sinkende Einkommen. Selbst wenn man nicht eine Stagnation der Entwicklungsländer als drängendes Problem ansehen sollte, die Lebensqualität in den Schwellenländern einen nichts anzugehen scheint: Die Krise ist ein Bumerang und droht, die gewonnenen Erfolge der Globalisierung aufzufressen, einer Globalisierung wohlgemerkt, die ihren Nutzen durch weltweiten Handel erbracht hat und nicht weltweites Herumspielen mit Devisen und Derivaten. mehr...
Wende voraus?
Die Finanzmärkte, jene unbekannten Wesen, haben ungeniert Erleichterung gezeigt. Die Marktteilnehmer freuten sich über die Marktteilnehmer. Die einen nämlich schoben ungekannte Berge von Geld in Richtung Südeuropa. Und die anderen (oder auch dieselben) befeuerten vor Freude gleich die Aktienmärkte. So geschehen Mitte letzter Woche, noch ein Auftaktereignis des Jahres 2012, das die Pessimisten Lügen zu strafen scheint.
Spanien bekam an die 10 Mrd. Euro, teils als neuen Kredit, teils als Aufstockung langlaufender Anleihen (weil die Nachfrage so groß war) für weniger als 4% Zinsen. Und Italien brachte alle seine offerierten Papiere für einen Zinssatz von durchschnittlich 2,8% unter, zum Wochenende folgte ein weiterer Fischzug. Damit sind beide Länder billig an Geld gekommen, weit entfernt von jener Schwelle, ab der Schulden als untragbar gelten und die bei etwa 6% bis 7% liegt. Zudem schrammt die italienische Wirtschaft an der befürchteten Rezession vorbei. Nicht ganz so gut sieht es allerdings in Spanien aus. Gemessen am Gesamtbedarf des Jahres ist der Auftakt allerdings nur das Füllen der Portokasse. Wie dem auch sei: Die wildesten Befürchtungen der Skeptiker warten noch darauf, Realität zu werden. Angesichts dessen ist der ausgebliebene Zinsschritt der EZB durchaus verständlich. Denn bei einem Satz von 1% kann man das bisschen Pulver, das noch da ist, ruhig trocken halten. Bei der Februarsitzung bleibt so die Möglichkeit, bei dann womöglich drohender Düsternis noch einmal zu reagieren. Schon jetzt herrscht Besorgnis über eine drohende Kreditklemme – die Banken bekamen ja unlängst genau aus diesem Grund eine halbe Billion Euro für drei Jahre zum geltenden Leitzins. Da winken am Horizont gute Geschäfte. Angesichts dessen sollten die Banken den Eindruck vermeiden, mit Verknappung der ausgereichten Mittel auf höhere Margen zu spekulieren. Bei allem Verständnis für die Zwickmühle, in der sie stecken, nämlich höheres Eigenkapital vorzuhalten bei gleichzeitig fälligen Abschreibungen auf zum Beispiel griechische Anleihen. Derweil knirscht es weiter in Athen: Die Banken mögen wohl wollen, aber die großen Investmentfonds eher nicht so, vor allem die Hedgefonds. Auf Geld verzichten zur Rettung eines Schuldners, auf den man eigentlich Pleitewetten laufen hat, das ist eine harte Aufgabe. Partikularinteressen verhindern einstweilen, dass sich die Rettung wirklich am Horizont abzeichnet. Natürlich sind solche Investoren nicht dem Gemeinwohl verpflichtet. Aber auch aus Eigennutz sollten sie nochmals nachdenken. Wie das World Economic Forum in seinem gerade erschienenen Risikobericht für die Weltwirtschaft feststellt, bedroht die europäische Staatsverschuldung indirekt die Weltwirtschaft, entzieht den Konsumenten Mittel und verschärft die Einkommensunterschiede. Geldanleger trifft das unweigerlich, sei es über Kreditklemmen, Inflation oder sinkende Einkommen. Selbst wenn man nicht eine Stagnation der Entwicklungsländer als drängendes Problem ansehen sollte, die Lebensqualität in den Schwellenländern einen nichts anzugehen scheint: Die Krise ist ein Bumerang und droht, die gewonnenen Erfolge der Globalisierung aufzufressen, einer Globalisierung wohlgemerkt, die ihren Nutzen durch weltweiten Handel erbracht hat und nicht weltweites Herumspielen mit Devisen und Derivaten. mehr...
Sonntag 08. Januar 2012
Primat der Politik?
In der europäischen Schulden- und Finanzkrise, die in ihr drittes Jahr geht, sind Rezepte nicht gerade Mangelware und Schuldige schon gar nicht. Dennoch ist bislang weder geheilt noch geholfen worden, noch sitzen Verantwortliche nicht hinter Gittern. Außer ein paar Bauernopfern und Rücktritten hat es kaum etwas gegeben und vieles wabert nebelhaft durch die Medien und die Expertenrunden. Noch immer ist die Frage nicht beantwortet, wie die Eurozone den Spagat zwischen Sparen und Wirtschaftswachstum schaffen soll. mehr...
Sonntag 18. Dezember 2011
Brust oder Keule? Hopp oder Top? Winner or loser?
von Michael Blumenroth, Edelmetallexperte der Deutschen Bank mehr...
Sonntag 11. Dezember 2011
Letzte Meile
Mit dem jüngsten EU-Gipfel haben die Teilnehmer begonnen, die letzte Meile zu gehen auf dem Weg, der am Ende eine Rettung der Eurozone, vielleicht gar der gesamten Europäischen Union bringen soll. Warum nun nach jahrelangem Zaudern und Zagen, nach Kakofonie und Streit das Ziel nahe sein soll, ist dem Publikum so leicht nicht zu erklären. Aber es ist in der Tat an vielen Kleinigkeiten erkennbar, dass der Streit zwar weitergehen mag, am Ende aber ein Ergebnis stehen wird, das man in den letzten beiden Jahren so zwar herbeiwünschen, aber keinesfalls klar sehen konnte. mehr...
Sonntag 04. Dezember 2011
Gefällt mir das?
Das Multimilliardenunternehmen facebook will alles: Am besten das ganze Internet mit allem Drum und Dran samt seiner Nutzer. Fast mag man gar nicht mehr glauben, dass es da nur ums Geld gehen soll, denn mit rund 100 Mrd. Dollar hochgerechneten Firmenwert und einem unglaublichen Hype um einen möglichen Börsengang 2012 hätte der Kontaktladen schon ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Früher war weniger schwindlig. mehr...
Sonntag 20. November 2011
Es bröckelt
Dies ist die gefühlt 100. Kolumne, die sich mit der Finanz- und Schuldenkrise beschäftigt. Bei der verzweifelten Suche nach anderen Themen blieb bislang die Krise stets Sieger: Wen kümmern die Ertragsnöte bei Air Berlin? Wem bereitet die Malaise des britischen Königreichs schlaflose Nächte? Wer interessiert sich noch für die bröckelnde Wirtschaftskraft der USA? Richtig, kaum jemand. mehr...
Sonntag 13. November 2011
Geht’s noch?
Als wäre das Chaos an den Finanzmärkten nicht schon groß genug, müssen einige wohl immer noch Öl ins Feuer gießen. Die angebliche Panne bei der Rating-Agentur Standard & Poor’s hat gerade noch gefehlt. Peinlich daran ist aber keineswegs nur die Tatsache, dass am Donnerstagnachmittag eine Meldung der Agentur über die Herabstufung Frankreichs offenbar unkontrolliert an den sicher nicht kleinen Verteiler von Standard & Poor’s ging. Viel schlimmer war, dass man wohl keine Fehlerkontrolle hat, die diesen Namen verdient. mehr...
Sonntag 06. November 2011


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